Verleihung des Thomas-Dehler-Preises 2011

Marty Am 21. Oktober 2011 verlieh die Thomas-Dehler-Stiftung die Thomas-Dehler-Medaille an Dick Marty. Die Stiftung setzte ein Zeichen dafür, wie wichtig das Thema Bürgerrechte auch in der politischen Bildungsarbeit ist. Der Schweizer Europaratsabgeordnete Dick Marty war als langjähriger "Chefermittler" des Europarats in Deutschland vor allem bekannt geworden durch seine Recherchen über CIA-Geheimgefängnisse in Europa.

Stadler Max Stadler, Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung und Staatssekretär im Bundesjustizministerium begrüßte die Gäste im Festsaal der Seeresidenz Alte Post am malerischen Starnberger See. Er drückte seine Freude darüber aus, dass mit Dick Marty ein Kämpfer für die Menschenrechte und ein Bewahrer des Rechtsstaates die Auszeichnung erhalte. Im Rahmen der Untersuchungen zu den Geheimgefängnissen in Europa hatte Dick Marty auch dem BND-Untersuchungsausschuss berichtet, dem Stadler für die FDP angehört hatte.

Bernwieser Der 1. Bürgermeister der Gemeinde Seeshaupt, Michael Bernwieser, betonte in seinem Grußwort, dass er sich über die Ortswahl der Preisverleihung sehr gefreut habe, insbesondere begrüßte er Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die im Jahre 2009 im Rahmen einer Gedenkfeier an die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Mahnmal in Seeshaupt die Gedenkrede gehalten hatte.

Löning Markus Löning, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, widmete seiner Festrede den Titel „Die Dinge beim Namen nennen“. Mit Blick auf den Preisträger Dick Marty würdigte er das schwierige und sensible Thema Menschenrechte, über das häufig mit Verweis auf vermeintlich wichtigere Themen hinweggesehen werde. Auf seine Erfahrungen als Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung zurückgreifend schilderte Markus Löning auf beeindruckende Art und Weise die täglichen Bemühungen jener, die sich weltweit für Menschenrechte einsetzen, und welchen Hindernissen sie ausgesetzt sind. Dick Marty sei einer jener, die sich ausdauernd und beharrlich dafür eingesetzt hätten, dass Menschenrechtsverletzungen aufgeklärt werden und scheute dabei keine Konfrontation.

Leutheusser Schnarrenberger In Ihrer Laudatio "Dick Marty - ein unbeugsamer Verteidiger des Rechtsstaates" betonte Leutheusser Schnarrenberger, dass dieser Preis zwar nicht der erst sei, der Dick Marty verliehen werden. Vor dem Hintergrund dessen, was er geleistet habe, könne man ihn allerdings nicht oft genug ehren und sein Einsatz für die Bürgerrechte und Freiheit nicht hoch genug eingeschätzt werden, und somit sei sie auch ganz persönlich stolz bin, dass Herr Marty diese Auszeichnung erhalte. Im Kampf für die Ideale der Freiheit und des Rechtsstaat sei sich Marty mit dem Namensgeber der Auszeichnung Thomas Dehler einig, der einmal richtig meinte „Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben.“ So wie Thomas Dehler hat auch Dick Marty sein Leben lang für die Sache der Freiheit und den Rechtsstaat gekämpft und so wie Thomas Dehler hat er dies als Beamter der Judikative, als Parlamentarier und als Mitglied der Exekutive getan. Nur der fehlende fränkische Zungenschlag unterscheide ihn vielleicht von Thomas Dehler. Persönlich habe Leutheusser-Schnarrenberger ihn in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates kennengelernt, in dem sie die Freude hatte, mit ihm zusammen zu arbeiten. Die Parlamentarische Versammlung, die er von 1998 bis 2011 entscheidend prägte und der er eine stolze Stimme gab, hat Dick Marty, einmal so schön als „Leuchtturm im Reich der Menschenrechte und Demokratie“ bezeichnet. Auch weiterhin werde er für die Sache der Menschenrechte werben. Als Vizepräsident der Weltorganisation gegen Folter (OMCT) setze er sich weltweit für die Menschenrechte ein und als Vorsitzender der Interjurassischen Versammlung werde er seiner Heimat als schlichtender und moderierender Entwicklungshelfer in eigener Sache zur Verfügung stehen.
Im Anschluss an die Verleihung der Thomas-Dehler-Medaille durch die Hand des Präsidenten Max Stadler sowie der anwesenden Vorstandsmitglieder brachte Dick Marty in seiner Antwort die große Ehre und Freude zum Ausdruck, in einem Kreis von Freunden diese Auszeichnung zu erhalten. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die er in den vergangenen Jahren gemacht habe, betonte er, dass Freiheit und Menschenrechte Objekte passionierender theoretischer Debatten seien und sein würden, er habe aber nicht die Absicht, sich an den Debatten, die auf hohem Niveau geführt würden, zu beteiligen. Eindrücklich schilderte Marty die Ausmaße und Auswirkungen von Folter weltweit und unterstrich, dass der Tabubruch der Aufweichung des Folterverbots vor dem Hintergrund der vermeintlichen Terrorbekämpfung für ihn besonders gravierend sei. Besonders die Opfer von staatlicher Gewalt seien zu erwähnen und die bedrückende Atmosphäre in den Staaten, in denen „Verschwindenlassen“ gängige Praxis sei. Umso beeindruckender sei der Mut gewesen, dem er begegnet sei bei den standhaften Personen, die sich nicht einschüchtern ließen von den „Zwängen der Realpolitik“ und sich für ihre Mitmenschen einsetzten. Er werde die Zeit im Europarat vermissen, in der er viele gute Wegbegleiter kennengelernt habe, darunter seine Laudatorin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Nun werde er sich seiner Arbeit als Vorstandsmitglied der Weltorganisation gegen Folter widmen, um den Menschenrechten hier zu mehr Geltung zu verschaffen. Er dankte dem Vorstand der Thomas-Dehler-Stiftung, in den honorigen Kreis der ausgezeichneten aufgenommen worden zu sein.

Park, Pusker, Beattie, Bareiß Im Anschluss an die Verleihung fand ein Abendempfang zu Ehren des Preisträgers vor der Kulisse des Starnberger Sees statt. Die Verleihung wurde musikalisch begleitet vom Streichquartett der Bayerischen Philharmonie (Jeany Park, Agnes Pusker, Alexa Beattie, Wolfgang Bareiß).
Rede von Dick Marty
Rede von Sabine Leutheusser Schnarrenberger






