Verleihung der Thomas-Dehler-Nadel
Am vergangen Sonntag hat die Thomas-Dehler-Stiftung in Kempten zwei liberale Kommunalpolitiker geehrt, die durch ihren jahrelangen Einsatz ihre Kommune mit gestaltet und geprägt haben. Zahlreiche kommunale Würdenträger zollten den beiden Politikern für ihre geleistete Arbeit Respekt und Dank.
Max Stadler, Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung und Staatssekretär im Bundesjustizministerium, verlieh die Nadel den langjährigen Kemptener Stadträten Holger Bock und Ullrich Kremser.Stadler betonte, dass die besondere Herausforderung der Arbeit in der Kommune ist, dass man den Menschen, die die Entscheidungen betreffe, tagtäglich begegne. Dass nicht jede Entscheidung des Stadtrates auf ungeteilte Freude der Bürger stoße, liege auf der Hand. Um so mehr sei es zu würdigen, wenn 
Thomae, Stadler, Kremser, Bock mit Holger Bock ein liberaler Stadtrat 18 Jahre lang wirkte, und mit Ullrich Kremser 27 Jahre, wobei hier die Amtszeit sogar noch andauert. Ferner betonte Stadler, dass sich die Stiftung jener, die sie auszeichne, rühmen könne. So wurde im Oktober diesen Jahres der Schweizer Dick Marty mit dem Thomas-Dehler-Preis ausgezeichnet, womit die Stiftung seinen jahrelangen Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte auszeichnete.
Josef Mayr, 2. Bürgermeister der Stadt Kempten, begrüßte die Entscheidung der Stiftung und würdigte das Engagement des Namensgebers der Stiftung, Thomas Dehler, der als erster Bundesjustizminister die junge Republik maßgeblich mit geprägt hatte. In Bezug auf die beiden Preisträger Holger Bock und Ullrich Kremser würdigte Mayr deren Engagement im „umfassenden Sinn“. Die Tätigkeit im Stadtrat sei nicht zu trennen von einem Grad an ehrenamtlichem Engagement, das immens sei. Hier haben sich die beiden in ihrem Wirken in einem Grenzbereich der Belastung bewegt, die leider nur selten öffentlich gewürdigt werden. Umso mehr freue ihn die Verleihung der Thomas-Dehler-Nadel an die beiden Kommunalpolitiker.
Thomae, Stadler, Kremser Die Laudatio der Verleihung hielt Stephan Thomae, Mitglied des Bundestages und Bezirksvorsitzender der FDP-Schwaben. Thomae verwies auf die lange Reihe von Persönlichkeiten hin, die den Liberalismus in den vergangenen zwei Jahrhunderten geprägt haben. Entscheidend sei die Erkenntnis, dass wenn der Liberalismus in Deutschland schwach war, es Deutschland insgesamt schlecht ging. Aber auch für Liberale gelte: eine Familie, in die man sich zurückziehen könne und die einem Schutz biete, ist wie eine Blaupause für eine funktionierende Gesellschaft. Ein über alle Zeiten Liberale einender Begriff sei der der „honesty“, ein Begriff, der auf Hayek zurückgeht und nur schwer ins Deutsche zu übersetzen sei, da er so vieles umfasse. Letzlich gehe es aber um das aufrechte und ehrlich Wirken für das Gemeinwohl. Dass diese „honesty“ auf die beiden zu Ehrenden zutreffe, stehe fest, so Thomae. Er schilderte das lange Wirken beider Preisträger, nicht nur im Stadtrat mit seinen zahlreichen Ausschüssen, sondern auch in der FDP selbst sowie in vielen Bürgervereinen. Besonders hob er das Engagement von Holger Bock für die Gründung des Fördervereins –

Sing- und Musikschule Kempten Sing- und Musikschule Kempten hervor, die maßgeblich die musikalische Ausbildung in Kempten unterstützt. Ullrich Kremser, der auch Träger des Bundesverdienstkreuzes ist, gelte als „heimlicher Außenminister“ der Stadt, da er sich intensiv für das Städtepartnerprojekt einsetze. Gerade in Zeiten der europäischen Krisensituation sei der Dialog mit Kommunen über die Grenzen hinweg ein wichtiger Baustein für ein lebendiges Miteinander.
Auf die Laudatio folgte die Verleihung der beiden Nadeln durch Max Stadler und Stephan Thomae. Abschließend blickten beide Geehrten auf ihre Zeit im Stadtrat und darüber hinaus zurück und nahmen die Zuhörer gedanklich zu vielen Orten der Stadt und riefen in Erinnerung, wie schwierig das Ringen um die richtige Entscheidung jeweils gewesen ist, sei es bei der Frage der Gewerbesteuer, dem Bau einer Unterführung, den richtigen Mann für den Aufsichtsrat des Krankenhauses oder das Semesterticket für Studierende. Missen möchte die Zeit trotz all der Belastungen dennoch keiner. Beide zeigten sich geehrt und freuten sich, dass so viele Gäste, Freunde und Würdenträger erschienen waren.






