Der Weg ins Paradies? - 60 Jahre Sozialismus in Nordkorea

Klitz Nach dem Tod Kim Jong Il´s, dem Führer der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVR Korea), im Dezember vergangenen Jahres steht das Land vor einem Führungswechsel. Der dritte Sohn Kim Jong Il´s, Kim Jong Un, ist als Nachfolger seines Vaters bestätigt, aber noch nicht in alle Regierungsämter bestellt, die sein Vater inne hatte. Entscheidend für das Verständnis dieses Landes ist aber nicht nur die Herrscherperson, sondern vor allem das Umfeld des jungen Führers sowie die Staatsdoktrin selbst. Vor diesem Hintergrund widmete sich Walter Klitz (Projektleiter Korea der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit) in seinem Vortrag der eigenen Ausprägung des Sozialismus in Nordkorea.
Seinem Selbstverständnis nach befindet sich Nordkorea in einem Zustand der Revolution. Diese Revolution soll alle Bereiche des Landes umfassen und dient dem Ziel, eine umfassende Autarkie zu erreichen, die das Land unabhängig von Einflüssen von Außen machen soll. Diese Ideologie trägt den Namen „Juche“ und wurde durch den verstorbenen Präsidenten Kim Il-sung entwickelt und ersetzte 1977 den Marxismus-Leninismus als Weltanschauung in der Verfassung der DVR Korea. Sie galt auch nach dem Tod Kim Il-sungs 1994 weiterhin als offizielle Weltanschauung des Landes.
In der Praxis stellt dieses System eine Verknüpfung von ausgeprägtem Nationalismus und dynastischer Führungsnachfolge in der Tradition des Konfuzianismus dar. Der Mensch als Gemeinwesen steht im Zentrum. Alle Ausbildungsaktivitäten des Landes zielen darauf ab, uniforme Untertanen des Staates heranzuziehen, die die Staatsdoktrin aktiv mittragen. Der Führer des Landes nimmt hier eine stark erhöhte Position ein, indem er eine göttliche Überhöhung erfährt. Er steht vor seinem Volk als „weiser Führer“ und wohlwollender Vater. Das nach diesem Prinzip extrem hierarchisch ausgerichtete System wird durch die allumfassende Partei, die Partei der Arbeit Koreas (PdAK) bestimmt. Sie spielt in allen Lebensbereichen der Bewohner des Landes eine zentrale Rolle. Außer dieser sehr engen Verknüpfung zwischen Regierung und Partei gilt vor allem das Prinzip, dass das Militär bei der Umsetzung jeder Politik eine zentrale Rolle spielt. Mit geschätzten 2 Millionen aktiven Soldaten und ca. 5 Millionen Reservisten hat das Land die stärkste Armee weltweit, pro Kopf betrachtet. Die Armee hat umfassende Befugnisse zur Selbstverwaltung und kontrolliert große Teile der Wirtschaft.
Es wundert nicht, dass ein solch isolierender Ansatz in den vergangenen Jahrzehnten
dazu geführt hat, dass sich das Land zu einem der ärmsten weltweit entwickelt hat. Die Industrie ist veraltet, es gibt kaum internationale Wirtschaftskontakte, China ist wichtigster Handelspartner. Ein Zustand, der sich in den vergangenen Jahren noch intensiviert hat. Die Lebenshaltungskosten sind enorm hoch im Vergleich zum Einkommen und Nahrungsmittel sind vor allem in den Städten knapp. Dennoch sind auch vor dem Hintergrund der umfassenden Ideologie des Landes Aspekte des Wandels zu verzeichnen. Handys haben Einzug in das Land gehalten, auch wenn sie nur der privilegierten Klasse vorbehalten sind. Es wird mehr und mehr die englische Sprache gelernt. Reisen von Regierungsbeamten in westliche Länder sind möglich. Walter Klitz selbst hat für die Stiftung für die Freiheit solche Reisen durchgeführt. Ob solche Veränderungen einen größeren Wandel im Land bewirken können, ist allerdings im Moment völlig unklar.
Seinen Vortrag schloss Walter Klitz mit dem Hinweis, dass in der jetzigen Übergangsphase das Regime Korea´s sich vor allem mit sich selbst beschäftigen werde, daher müsse man nun erst einmal damit rechnen, dass äußere Konflikte während der Phase des inneren Übergangs verschärft werden.
Zur Person Walter Klitz:
Walter Klitz gilt international als ausgewiesener Experte zu Nordkorea und gehört zu den wenigen Personen, denen regelmäßig Zutritt in das weitgehend abgeschottete Nordkorea gewährt wird. In den letzten fünf Jahren gelang es ihm, in über zwanzig Reisen belastbare Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern aufzubauen und sich einen persönlichen Eindruck von der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation im Lande zu verschaffen.
Weiterführende Links:
Gastbeitrag von Walter Klitz über Nordkorea in der Süddeutschen Zeitung
Interview mit Walter Klitz zur aktuellen Situation in Nordkorea






